Zusammenwirken der Kräfte bei gemeinsamer Übung der Feuerwehren

Wenn Natronlauge und Natriumhydrogensulfit zusammen reagieren, dann entwickelt sich Schwefelwasserstoff, dessen toxische Wirkung Menschen beträchtlich schädigen kann.

Ein solches Szenario bildete den Inhalt einer Übung im Chemiewerk der Akzo Nobel Functional GmbH in Greiz- Dölau am Sonnabendvormittag. Zwei Kesselwagen der Werksbahn waren verunglückt, aus denen 58 Tonnen Natronlauge und 55 Tonnen Natriumhydrogensulfit ausliefen.

Nachdem von der Zentralmesswarte des Betriebes Alarm ausgelöst wurde und der Einsatzleiter der Betriebsfeuerwehr, Jens Scheffler, einen Anruf mit näheren Angaben entgegennahm, rückten die Kameraden zur Einsatzstelle aus. Die Lageerkundung ergab, dass die eigenen Kräfte nicht ausreichten.

Kurz darauf wurde das Tor 2 der Zufahrt aus Richtung Caselwitz  geöffnet, um den  angeforderten Feuerwehren eine ungehinderte Zufahrt zu gewähren. Die Hauptzufahrt des Betriebes konnte aufgrund des Schadstoffaustrittes und der sich dadurch gebildeten Schwefelwasserstoff- Wolke nicht passiert werden.

Die Greizer Feuerwehr rückte samt dem Gerätewagen Gefahrgut 3 als erste an, etwas später der Gefahrgutzug des Landkreises Greiz mit den Feuerwehren Weida, Gera Mitte, Zeulenroda-Triebes, Münchenbernsdorf, Hohenleuben und Ronneburg. Ebenso kamen die Kameraden der Ortsteilfeuerwehren Moschwitz, Caselwitz und Obergrochlitz  zum Einsatz. Zwischenzeitlich wurde die Unfallstelle abgesperrt und ein Schacht geschlossen, der normalerweise das Oberflächenwasser aufnimmt.

Die Greizer Feuewehrmänner bauten eine erste Not- Dekontaminationsstrecke auf, in der auch der erste von den Einsatzkräften am Unfallort gerettete Verletzte, der Lokführer, behandelt werden konnte, bevor er vom DRK übernommen wurde.  Ein Hydroschild, das ein weiteres Ausbreiten der Chemiewolke in Richtung Greiz verhinderte, wurde errichtet. Neugierig näherten sich über die Gleise der Werksbahn mehrere Schaulustige, die von der Schwefelwasserstoff- Wolke schwer verletzt, dekontaminiert und anschließend vom DRK- Sanitäts- und Betreuungszug des Landkreises Greiz behandelt werden mussten.

Werkleiter  Dirk Stöppler  beobachtete ebenfalls aufmerksam die Übung. Er wurde vom Werkleiter vom Dienst informiert. „In einem solchen Fall besteht auch die Pflicht, die Leitung von Akzo Nobel zu informieren“, erklärte die HSE- Managerin des Dölauer Betriebes, Tina Barth, die unter anderem für Sicherheitsfragen des Betriebes verantwortlich zeichnet, diese Übung sowie das Zusammenwirken der Einsatzkräfte aufmerksam beobachtete und aufzeichnete. Ebenfalls waren als Übungsbeobachter Teilnehmer aus dem Vogtlandkreis und von der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule anwesend, die am Beginn auch vom Wehrleiter der Werksfeuerwehr, Stephan Schaller, der bei diesem Einsatz als Koordinator wichtige betriebliche Angaben machte. Einsatzleiter Rico Beyse von der Greizer Feuerwehr gab dem Zugführer Uwe Dick vom Gefahrgutzug einen ausführlichen Lagebericht samt Messergebnissen, Windstärke und Windrichtung.  Eine Einsatzleitung wurde gebildet, der auch Olaf Klobes angehörte. Als Leiter der Forschungsabteilung des Betriebes stand er den Einsatzkräften fachlich zur Seite.

In voller Schutzausrüstung näherten sich Feuerwehrleute den Kesselwagen und errichteten eine Anlage zum Auffangen der auslaufenden Chemiekalien.

Abschließend mussten alle am Einsatz beteiligten Feuerwehrmänner die große Dekontaminationsstrecke  des Gefahrgutzuges passieren.

 „Das Zusammenwirken der Kräfte ist insgesamt gut gelaufen. Natürlich gab’s hier und da noch einige kleine Fehler, die es künftig gilt zu korrigieren. Dafür sind solche Übungen wichtig“, resümierte Einsatzleiter Rico Beyse. „Das Chemiewerk der Akzo Nobel Functional Chemicals GmbH bietet im Zusammenhang der ersten Auswertung eine Messausbildung bezüglich der Gase an“, ergänzte Stephan Schaller. Eine ausführliche Auswertung der Übung erfolgt in den kommenden Tagen.

Bild und Text: OTZ / Christian Freund